Auch dieses Aufeinandertreffen ist als fiktive Episode am Rand des Zweiten Nordischen Kriegs (1655–1660) angelegt. Direkte historische Vorbilder für ein Gefecht zwischen brandenburgisch-preußischen Kontingenten und kaiserlichen Truppen sind in dieser Phase rar, doch lokale Reibereien, Sicherungsaufgaben und opportunistische Vorstöße liefern glaubwürdige Anlässe. Unser Szenario stellt sich entsprechend als kleiner, aber scharf geführter Zusammenstoß um strategische Schlüsselpositionen in einer umkämpften Grenzregion dar - mit folgenden Eckpunkten:
Der Streit um den kaiserlichen Zehnten
Anlass und Kontext: Im letzten Kriegsjahr des Nordischen Krieges von 1655–1660 sichern brandenburgische Truppen im polnischen Hinterland die Versorgung ihrer Verbündeten. Ein kaiserliches Detachement beansprucht im Namen des römisch-deutschen Kaisers denselben Getreidezehnten eines polnischen Starosten, der seine Loyalität gewechselt hat. Aus einer zunächst verbalen Auseinandersetzung um Beschlagnahmungen entwickelt sich ein scharfer Zusammenstoß um die Kontrolle der Kornlager. (Hintergrund: Der polnisch-schwedisch-brandenburgische Konflikt von 1655–1660 bietet einen plausiblen Rahmen für ein lokales Kompetenzgerangel zwischen Kaiserlichen und Brandenburgern im polnischen Raum, wobei Getreideversorgung und Zehnten durchaus realistische Streitpunkte sind.)
Ort und Datum: Nahe eines Dorfes zwischen der Weichsel und Thorn in Preußen, Spätsommer 1660
Kräftebild: Die Brandenburger führen fünf Einheiten ins Feld, darunter zwei Bataillone Musketiere in voller Sollstärke, eine volle Eskadron Kavallerie aus dem Herzogtum Preußen, eine reduzierte Eskadron Söldner sowie einer Dragonerverband. Die Habsburger rücken mit einem kleinen, abkommandierten Detachement plänkelnder Musketieren, einer vollen Eskadron schwerer Kürassiere sowie einer großen und einer kleinen Eskadron kroatischer Kavallerie an.
Missionslogik: Die Missionsmarker repräsentieren drei strittige Abgabestellen: zwei große Kornlager am Rande gepflügter Felder und einen Sammelpunkt an einer Wegekreuzung am Fuß eines Hügels. Die Habsburger wollen diese Plätze besetzen, um ihre Ansprüche auf den Zehnten militärisch zu untermauern. Die Brandenburger versuchen ebenfalls, die Lager zu halten und die kaiserlichen Truppen als unbefugte Einmischer in ihre Versorgungsangelegenheiten zurückzuweisen.
Topografie: Das Areal wird durchschnitten von einem Wirtschaftsweg, der sich am Fuß des Hügels in eine Wegekreuzung teilt. Zu beiden Seiten liegen große, frisch gepflügte Schläge, an deren Rändern einfache Kornspeicher und Stapelplätze stehen, die zugleich als lokale Abgabestellen fungieren. Im Norden rahmen ein Gehöft und ein Wald den Schauplatz, ebenso wie im Süden, nur in umgekehrter Anordnung.
Das zuweilen wechselvolle und nervenaufreibende Gefecht nahm folgenden, äußerst überraschenden Verlauf:
Die Brandenburger näherten sich dem Geschehen aus südlicher Richtung; auf die linke Flanke schickten sie ihre (aufgesessenen) Dragoner (1), vis-à-vis dem ersten Missionsziel. Benachbart, jedoch separiert durch Waldgelände, bezog die preußische Reiterei (2) Stellung. Im Zentrum marschierte das erste der beiden Musketier-Bataillone (3) auf und erklomm sogleich den Hügel, da es mittels erfolgreicher Aufklärung einen Mobilitätsvorteil erhielt (Reconnaissance-Effekt "Forced March"). Das zweite Musketier-Bataillon (4) bildete zunächst eine Reservestellung im rückwärtigen Raum. Auf der äußersten rechten Flanke, unmittelbar beim Gehöft, positionierte sich die kleine Einheit berittener Söldner (5) - das nahe gelegene Missionsziel des Kornlagers fest im Blick. Der Obristleutnant (6), der die ganze Truppe kommandierte, bezog seine Stellung so, dass er alle westlich des Walds dislozierten Verbände optimal im Blick hatte.
Die Habsburger, die aus nördlicher Richtung anrückten, versammelten sich kompakter. Die kleinere Einheit kroatischer Kavallerie (7) und die größere Einheit (8) sicherten - durch die Sonderregel "Send the Croats!" vorgelagert - die Kreuzung und die dortige Kornsammelstelle, einem der Missionsziele. Die Kürassiere (9) postierten sich etwas nach links versetzt hinter die Kroaten. Mit etwas Abstand zu den Kürassieren, am Rande des nördlichen Gehöfts, versammelten sich die plänkelnden Musketiere (10). Bei den Habsburgern führten zwei kommandierende Offiziere: Im rückwärtigen Raum, leicht linksseitig, stand der Obristwachtmeister (11), sein Vorgesetzter, der Obristleutnant (12), stand rechtsseitig etwas weiter vorne.
Beim Entbrennen der Kampfhandlungen kamen die zentralen brandenburgischen Musketiere nur langsam auf dem Hügel voran (13) und mussten durch die kroatischen Verbände (14) mehr konzentrierten Beschuss einstecken, als sie selbst austeilen konnten - was sie rasch in eine desorganisierte Lage brachte. Die Kroaten blieben stationär auf ihrer initialen Position, verfügten sie doch über eine exzellente Feuerlinie und kontrollierten bereits die Kornsammelstelle mit zahlenmäßiger Überlegenheit.
Auf der brandenburgischen rechten Flanke ergriffen die berittenen Söldner beherzt die Initiative (15), sicherten im schnellen Anritt das Kornlager und waren dabei, zur inneren Flanke einzuschwenken. Auf der gegenüberliegenden Flanke stürmten die Dragoner gleichfalls frontal in Richtung des dortigen Kornlagers vor (16), zugleich rückte auch das Detachement der habsburgischen Musketiere mit gleichem Ziel vor und bezog Stellung in einem gepflügten Kornfeld (17). Das Kornlager blieb umkämpft, und die Kontrahenten lieferten sich einen energischen Schusswechsel, in welchem die Brandenburger infolge nicht abgesessener Aufstellung ins Hintertreffen gerieten. Währenddessen operierten die beiden anderen Verbände der Brandenburger, die Musketiere (18) und die Kavallerie aus preußischen Landen (19), noch unentschlossen (man kann auch sagen: umsichtig und auf ihre Chance wartend) und rückten nur langsam vor. Nicht ganz grundlos: Insbesondere die unmotivierte und nur widerwillig dienende preußische Kavallerie hatte großen Respekt vor den gefährlichen Kürassieren der Habsburger.
Diese, die Kürassiere (20), ignorierten die preußische Kavallerie in dieser Phase, obwohl jene ein dankbares Angriffsziel abgegeben hätten, und wendeten sich mit einem wagemutigen Manöver den bereits angeschlagenen brandenburgischen Musketieren auf dem Hügel zu: Sie ritten eine sogenannte Caracolla, indem sie den Hügel erklommen und auf die Musketiere zu ritten, Salven aus ihren Pistolen feuerten, und sogleich Kehrtum machten und unweit ihrer Ausgangsposition zum Stehe kamen. Ein kühnes Manöver, das die Musketiere massiv desorganisierte, doch die Hoffnung, sie gänzlich in die Flucht zu schlagen, erfüllte sich für die Habsburger nicht.
Die schwer angeschlagenen, aber noch einsatzfähigen Musketiere der Brandenburger mussten sich vom Hügel zurückziehen (21). Sie waren kurz davor, zu kollabieren, aber noch standen sie - und ihre neue Position am Fuß des Hügels gewährte ihnen zumindest Deckung vor dem andauernden Beschuss durch die Kroaten-Kavallerie. Das in der Reserve gehaltene Musketier-Bataillon erhielt nun den Marschbefehl, um die Linie zu stabilisieren und eine neue Feuerstellung einzunehmen (22).
Auf der linken Flanke hatte sich an der anfänglichen Pattsituation mittlerweile auf den ersten Blick nichts verändert. Die Brandenburger hatten ihre Dragoner (23) zwar inzwischen abgesetzt und konnten nun mit höherer Effektivität feuern, erwiesen sich den habsburgischen Musketieren (24) aber auf Dauer unterlegen. So blieb das Kornlager weiterhin umkämpft.
Aber dies spielte in der Rückschau alles sowieso keine Rolle mehr, denn das Scharmützel wurde durch zwei kühne Attacken der Brandenburger im Zentrum entschieden.
Die berittenen Söldner setzten ihren Galopp in einem weiten Bogen fort, schwenkten nach links ein und fielen der größeren der beiden Kroaten-Eskadrons in der Flanke (25). Völlig überrumpelt von dieser Attacke und kaum zur Gegenwehr fähig, wurden die Kroaten weitgehend aufgerieben; die Überlebenden ergriffen die Flucht. Die Flanke der Habsburger war hier nun offen. In Erwartung des nächsten Schlags durch die brandenburgischen Söldner, die buchstäblich Blut geleckt hatten und weiterhin auf Attacke getrimmt waren, schwenkte die verbliebene Eskadron der Kroaten nach rechts (26). Die Moral des habsburgischen Heeres begann zu sinken, doch der entscheidende Schlag der Brandenburger stand erst noch bevor...
Dieser erfolgte schließlich durch die preußischstämmige Reiterei (27), die trotz ihrer zaudernden Haltung das Momentum sah, die habsburgischen Kürassiere, die gerade ihr Caracolla-Manöver ausgeführt hatten und infolge dessen noch unglücklich am Fuße des Hügels positioniert waren, in der Flanke zu erwischten. Und das gar in zwei aufeinanderfolgenden Attacken! Nach dem ersten Angriff wurden die Kürassiere zurückgeworfen; den Preußen fiel - aus brandenburgischer Sicht: glücklicherweise - im Folgenden die Initiative zu und so konnten sie nachsetzen, was die Kürassiere vollständig in die Flucht schlug. Mit dieser Aktion, einem wahren Bravourstück gleich, wurde das Ende des Gefechts eingeleitet, denn die Moral des habsburgischen Heeres brach zusammen. An Siegpunkten bemessen erzielten die Brandenburger eine respektable Summe von zwölf gegenüber drei auf Seiten der Habsburger.
Ein überraschender und nicht unbedingt zu erwartender Ausgang, kamen die Brandenburger den Habsburgern doch an Kampfstärke und Motivation alles in allem nicht gleich. Aber die Generalität der Brandenburger hatte in den entscheidenden Momenten taktisch entschlossen gehandelt, während insbesondere die Kroaten ihre hohe Mobilität nicht ausgespielt hatten und die Kürassiere sich mit ihrem Angriff gegen die brandenburgischen Musketiere auf dem Hügel (der im Ergebnis nicht überaus erfolgreich war) ihrer Chance, ihre Durchschlagskraft an geeigneterer Stelle auszuspielen, beraubt hatten.
Und so konnte der brandenburgische Kommandostab noch am selben Abend des Gefechts per Kurier eine begeisterte Siegesdepesche an den "Großen Kurfürsten" Friedrich Wilhelm nach Berlin senden, aus welcher - in zeitgenössischer Überhöhung - der Stolz über das Errungene spricht. Hier ein Auszug
(...) Nachdem der Feind seine Kroaten an der Kreuzung mit starckem Feuer gehalten, haben unsere berittenen Söldner in tapfrer Resolution im weiten Bogen eingedrehet, dieselben in der Flanke überfallen und weitgehend zersprenget, daß die Überbliebenen in Confusion die Flucht genommen, also daß des Feindes Seiten allda geöffnet worden. Bald hernach hat die preußische Cavallerie, so zuvor zauderte, die Kürassierer just in dem Augenblick, so nach ihrer Caracolla unglücklich am Hügel-Fuß gestanden, zweimal hintereinander in die Flanke getroffen, sie erst zurückgetrieben und hernach vollends in die Retirade genöthiget. Also ist des Feindes Mut gesunken, die Moral zerrunnen und das Treffen mit GOTTes Hülffe zu Unserer Seite glorreich beschlossen worden.