Am 03.10.2026 lud der Tabletop-Club Rhein-Main zu einem speziellen Mittelaltertag ein. Für diese Gelegenheit hatte ich ein eigenes Szenario ausgearbeitet, das mir endlich die lang ersehnte Gelegenheit bot, meinen 3D-gedruckten Kahn und das dazugehörige Fluss-Geländestück auf die Platte zu bringen. Gespielt wurde eine modifizierte Variante des Szenarios 7 (Hold On Tight) aus dem Lion Rampant-Regelbuch.
In dieser Partie traf mein Frankfurter Aufgebot (das hier in Form einer kleineren, mobilen Patrouille antrat) auf Christians Rückinger Raubritter. Das Szenario bildete dabei die unmittelbare Vorgeschichte und den dramatischen Auftakt zum historischen Wetterauer Räuberkrieg, der nur wenige Monate später - im Februar 1405 - blutig entflammen sollte.
Im Spätsommer 1404 führen der Main und die Kinzig nach einer langen Hitzeperiode extremes Niedrigwasser. Ein schwer beladener Handelskahn auf dem Weg nach Frankfurt sitzt auf einer verdeckten Kiesbank fest und ist in der seichten Kinzig gestrandet. Da das Flussbett durch die anhaltende Dürre stark versandet ist, gilt es für die heranrückenden Truppen zwar als schwieriges Gelände, kann aber zu Fuß durchwatet werden. An Bord befindet sich kostbare Fracht für die anstehenden Märkte, darunter Fässer mit Wein, feine Tuchballen und Gewürze. Der Schauplatz dieses Unglücks liegt etwa einen halben Kilometer von Rückingen und rund fünf Kilometer von Hanau entfernt, wobei die Breite des Kampfgebiets knapp hundert Meter misst. Am südlichen Ufer dominieren zwei flache Hügel und einige Waldflächen das Bild, während am nördlichen Ufer schroffe Felsformationen aus dem ausgetrockneten Boden ragen. Westlich der Felsen erstreckt sich ein rege bewirtschafteter Viehhof nebst einem kleinen Brunnen. Für Johann von Rüdigheim, den als "Marktschiffschinder" berüchtigten Raubritter, ist der havarierte Kahn eine willkommene Beute, die er rasch an das nördliche Ufer schaffen will. Ihm gegenüber formiert sich jedoch eine Frankfurter Geleitkompanie, die zur Sicherung der Handelsroute ohnehin auf Patrouille war und den Kahn um jeden Preis verteidigen will.
Die Rückinger nutzen die gesamte Breite des Geländes für ihren zügigen Anmarsch. Auf der linken Flanke pirschen Armbrustschützen (Crossbowmen) (1) rasch durch den Viehhof, um hinter dessen Gatter eine geschützte Schussposition zu beziehen. Im Zentrum rücken gerüstete Ritter (Elite Infantry) zu Fuß auf den Wegen heran, die direkt vor dem Brunnen zusammenlaufen. Die eine Truppe (2) führt Johann von Rüdigheim persönlich ins Feld, die andere (3) untersteht seinem Verbündeten Henne Schelris, dem Herrn der Burg Wasserlos. Auf der rechten Flanke brechen Rüdigheimer Spießgesellen (Heavy Infantry) (4) zwischen den schroffen Felsen hervor, flankiert von einem Trupp Reisiger (Heavy Cavalry) (5) ganz außen, der von Johanns Bruder Dietrich von Rüdigheim kommandiert wird. Vis-à-vis baut die Frankfurter Patrouille eine geschlossene Front aus sechs Einheiten auf. Ganz links formieren sich Patrizier zu Pferde (Heavy Cavalry) (6), gefolgt von städtischen Armbrustschützen (Crossbowmen) (7) und einem gewappneten Fußtrupp der Fleischerzunft (Heavy Infantry) (8), in dessen Reihen der Befehlshaber der Patrouille steht. Rechts daneben rücken die Angehörigen der Schusterzunft (Heavy Infantry) (9) vor. Durch ein kleines Wäldchen getrennt folgt eine weitere Abteilung städtischer Schützen (Crossbowmen) (10) hinter einem Hügel und eine zweite Einheit berittener Patrizier (Heavy Cavalry) (11) auf der äußersten rechten Flanke.
Mit ungestümem Mut stürmt die Frankfurter Fleischerzunft frontal auf das ausgetrocknete Flussbett zu. Sie erreichen den Kahn als Erstes und rüsten sich, die hölzernen Planken zu erklimmen (12). Die Rückinger Ritter müssen einen diagonalen Weg einschlagen und kommen etwas langsamer voran, stehen aber ebenfalls kurz vor dem Rumpf des Schiffes (13). Auch die Rüdigheimer Spießgesellen orientieren sich zielstrebig zur Mitte, um ihre gerüsteten Kameraden zu unterstützen, haben aber den weitesten Weg zurückzulegen und treffen verzögert ein (14). Währenddessen haben die Rückinger Armbrustschützen das Gatter erreicht (15). Von dort aus können sie Ziele auf dem Kahn auf lange Distanz ins Visier nehmen, nicht aber die gegenüberliegenden Frankfurter Schützen, die ihrerseits am südlichen Ufer eine ausgezeichnete, kurze Schussdistanz auf das Deck des Schiffes gesichert haben (16). Auf der linken Flanke sehen die Frankfurter Patrizier ihr Potenzial durch die gut positionierten Rückinger Schützen zu stark eingeschränkt (17). Sie brechen ihren Vorstoß ab und reiten stattdessen quer über das Schlachtfeld zur rechten Flanke. Dort ist der zweite Reiterverband der Patrizier bereits im Begriff, den trockenen Fluss zu überqueren, um Dietrichs Reisige in die Zange zu nehmen (18). Dies veranlasst Dietrich zur hastigen Flucht in sichere Gefilde (19), zumal auch der zweite Trupp Frankfurter Armbrustschützen den Hügel forsch überquert und ans Flussufer vorrückt (20).
Ein großer erster Erfolg zeichnet sich für die Frankfurter ab, als die Männer der Fleischerzunft an Bord klettern und das höhergelegene Achterdeck des Kahns besetzen (21). Diese Decksposition bietet der verteidigenden Einheit im Nahkampf einen wertvollen Rüstungsvorteil, macht sie jedoch gleichzeitig anfälliger für Fernkampfangriffe. Das kostbare Gut scheint vorerst gesichert, doch die Gefahr ist groß! Die heranstürmenden Rückinger Ritter haben den Rumpf erreicht und rüsten sich für den Sturm auf das Deck (22). Zugleich bieten die Fleischer auf dem Achterdeck den feindlichen Schützen hinter dem Gatter ein offenes Ziel (23). In der Zwischenzeit sammelt Dietrich seine geflohenen Reisigen auf der rechten Flanke und richtet sie erneut gegen die Frankfurter aus (24). Dabei wählt er die Position seiner Pferde klugerweise so, dass sie knapp außerhalb der Schussweite der ans Ufer geeilten zweiten Frankfurter Schützenabteilung verbleiben (25). Jene Schützen richten ihre Armbrüste nun wie ihre Kameraden am linken Ufer direkt auf den Kahn, um ein tödliches Kreuzfeuer vorzubereiten, falls der Feind die Planken betritt. Während ein Verband der Frankfurter Patrizier den Fluss durchquert und wegen des unwegsamen Geländes nur langsam vorankommt (26), galoppieren ihre Kameraden von der linken Flanke unverdrossen heran (27).
Mit brachialer Gewalt bricht der Angriff der Ritter unter Henne Schelris über die Frankfurter auf dem Achterdeck herein. Die Fleischerzunft kann der eisernen Wucht nicht standhalten und muss den Kahn wieder räumen, wenngleich sie sich geordnet und unter geringen Verlusten zurückzieht. Henne Schelris reißt die Kontrolle über das Deck an sich (28), zahlt dafür jedoch einen furchtbaren Preis: Nicht nur der Nahkampf hat blutige Lücken in die Reihen seiner Ritter gerissen, auch das nun einsetzende, gnadenlose Kreuzfeuer der beidseitig am Ufer positionierten Frankfurter Schützen (29 und 30) fordert massiv Tribut. Der Bolzenhagel dezimiert den Trupp derart schwer, dass am Ende nur Henne Schelris selbst unversehrt auf dem Schiff verbleibt. Abseits dieses dramatischen Zentrums kommt das Geschehen fast vollständig zum Erliegen. Einzig die Rückinger Reisigen unter Dietrich fassen neuen Mut und reiten den im Terrain steckengebliebenen Frankfurter Patriziern entschlossen entgegen (31).
In einem meisterhaften taktischen Schachzug verlässt Henne Schelris das lebensgefährliche Deck. Nahtlos rücken die noch taufrischen, in voller Stärke herangeeilten Rückinger Spießgesellen auf das Achterdeck nach, ohne dass die Frankfurter diese kurze Blöße ausnutzen können (32). In ihrer exponierten Lage geraten die Spießgesellen sofort unter den konzentrierten Beschuss der städtischen Armbrüste (33 und 34). Die Frankfurter Zünfte ihrerseits werfen sich von außerhalb des Kahns in den Nahkampf, doch all ihre Angriffe prallen an der massiven Defensivstellung der Verteidiger wirkungslos ab (35). Fernab des Flusses entgleitet den berittenen Frankfurter Patriziern nun gänzlich die taktische Initiative. Dietrich von Rüdigheim nutzt diese Passivität seiner Kontrahenten genüsslich aus und dirigiert seine Reisigen ohne jeden Druck auf ihre alten Positionen zurück (36).
Das hitzige Scharmützel endet mit einem glorreichen Triumph der Rückinger Raubritter! Zwar bluten die Spießgesellen unter dem Hagel der Bolzen und den stetigen Nahkampfangriffen stark und schrumpfen fast auf die halbe Mannstärke zusammen, doch das koordinierte Zusammenspiel der Angreifer bleibt unerschütterlich. Abermals gelingt den Rückingern ein fließender Austausch der Kahnbesatzung. Johann von Rüdigheim erklimmt schließlich selbst mit seinen unversehrten Rittern das Deck und sichert den endgültigen Sieg (37). Den Frankfurtern entgleitet in den entscheidenden Phasen fortwährend die Initiative; wiederholte Befehlsaufrufe scheitern am Zögern der Männer (bedeutet: ein fehlgeschlagener Initiativwurf reihte sich an den nächsten).
Da die Rückinger das Deck über so lange Zeit ununterbrochen kontrollieren konnten, hatten ihre Knechte im Hintergrund ausreichend Gelegenheit, die wertvollste Fracht über das seichte Wasser ans nördliche Ufer in Sicherheit zu schaffen. Als dem Frankfurter Befehlshaber klar wird, dass das eigentliche Ziel der Rettungsmission - die Sicherung der Kaufmannsgüter - unwiederbringlich verloren ist und ein weiterer Sturm auf die mittlerweile gefestigte Stellung der Raubritter nur noch sinnloses Blutvergießen fordern würde, lässt er frustriert den Rückzug blasen. So zwingt die bittere strategische Realität die Patrouille zur Aufgabe, obgleich sie mit lediglich sieben gefallenen Männern deutlich geringere Verluste zu beklagen hat als die Rückinger, die zehn Kämpfer einbüßen und deren Ritterschar um Henne Schelris beinahe ausgelöscht wurde.
Das Raubrittertum hat an diesem Tag gesiegt und die kostbare Fracht erbeutet. Dieser Triumph währt jedoch nur wenige Monate. Im großen Wetterauer Räuberkrieg des Folgejahres versammeln die Städte und die Krone ihre Heere. Am 16. Februar 1405 umstellen Truppen unter der Führung von König Ruprecht, zu denen auch die Frankfurter zählen, das Schloss Rückingen. Die Verteidiger fliehen panisch, noch bevor der König überhaupt am Schauplatz eintrifft. Am 17. Februar befiehlt Ruprecht die sofortige totale Zerstörung der Burg durch Feuer und Schleifung. Der Kahn auf der Kinzig war somit Johanns letzte große Beute...